Sie planen, Ihren Putz zu streichen und möchten sicherstellen, dass das Ergebnis makellos wird? Eine sorgfältige Beurteilung der Oberfläche und die Wahl der richtigen Vorgehensweise sind entscheidend für ein langlebiges und ästhetisch ansprechendes Ergebnis. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Wände optimal vorbereiten und welche Techniken für verschiedene Putzarten am besten geeignet sind.
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Grundlagen der Putzoberflächenbeurteilung
Bevor Sie mit dem Streichen beginnen, ist eine genaue Untersuchung des Putzes unerlässlich. Nur so können Sie den Zustand der Oberfläche korrekt einschätzen und die notwendigen Vorbereitungsschritte ableiten. Eine gründliche Inspektion verhindert spätere Probleme wie schlechte Haftung, ungleichmäßige Farbaufnahme oder das Abplatzen der Farbe.
Identifikation von Putzarten
Die Wahl der richtigen Streichtechnik hängt maßgeblich von der Art des Putzes ab. Grob lassen sich Putze in verschiedene Kategorien einteilen:
- Kalkputz: Traditioneller, diffusionsoffener Putz, der Feuchtigkeit gut reguliert. Er ist oft poröser und neigt zu kreiden, wenn er nicht richtig behandelt wird.
- Gipsputz: Glatter, feinporiger Putz, der sich gut für glatte Oberflächen eignet. Er ist empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und kann bei falscher Behandlung aufquellen.
- Zementputz: Robuster und wasserabweisender Putz, der oft im Außenbereich oder in Feuchträumen eingesetzt wird. Er kann rau und strukturiert sein.
- Silikatputz: Mineralischer Putz, der eine besonders gute Haftung aufweist und diffusionsoffen ist. Er reagiert chemisch mit dem Untergrund.
- Kunstharzputz: Flexible und widerstandsfähige Putze, die oft als Endbeschichtung verwendet werden. Sie können sehr glatt oder strukturiert sein und sind oft gut abwaschbar.
Erkennung von Oberflächenmängeln
Eine detaillierte Begutachtung hilft Ihnen, potenzielle Problemstellen zu identifizieren:
- Kreidende Oberflächen: Wenn Sie mit der Hand über den Putz fahren und feinen Staub abreiben, handelt es sich um eine kreidende Oberfläche. Dies ist typisch für alte Kalkputze und erfordert eine spezielle Grundierung.
- Risse: Unterscheiden Sie zwischen Haarrissen, die oberflächlich sind und oft auf Spannungen im Material zurückzuführen sind, und tieferen Rissen, die auf strukturelle Probleme hinweisen könnten.
- Abplatzungen und lose Stellen: Lose Putzstücke oder Farbschichten, die sich leicht ablösen lassen, müssen entfernt werden.
- Schimmel und Stockflecken: Diese müssen gründlich entfernt und die Ursache behoben werden, bevor gestrichen wird.
- Feuchte Stellen: Anhaltende Feuchtigkeit deutet auf ein tieferliegendes Problem hin, das vor dem Streichen behoben werden muss.
- Staub und Schmutz: Eine allgemeine Verschmutzung beeinträchtigt die Haftung der Farbe.
- Alte Anstriche: Glänzende oder schlecht haftende alte Farbschichten können die Haftung des neuen Anstrichs beeinträchtigen.
Vorbereitung der Putzoberfläche für den Anstrich
Die richtige Vorbereitung ist das A und O für ein streichergebnis, das Bestand hat. Selbst die beste Farbe haftet nicht auf einem schlecht vorbereiteten Untergrund.

Reinigung der Oberfläche
Eine gründliche Reinigung ist der erste Schritt. Entfernen Sie Staub, Spinnweben und losen Schmutz mit einer Bürste oder einem Staubsauger mit Bürstenaufsatz. Bei hartnäckigen Verschmutzungen oder Schimmelbefall können spezielle Reiniger zum Einsatz kommen. Beachten Sie hierbei stets die Herstellerangaben und die Materialverträglichkeit.
Behebung von Rissen und Beschädigungen
Kleine Haarrisse können oft mit einer speziellen Riss-Spachtelmasse gefüllt werden. Tragen Sie die Masse mit einem Spachtel auf und ziehen Sie sie glatt. Größere oder tieferliegende Risse erfordern möglicherweise eine Verstärkung mit Armierungsgewebe und anschließendes Verputzen. Lassen Sie Spachtelmasse und Putz gut trocknen und schleifen Sie die ausgebesserten Stellen anschließend glatt.
Entfernen von losen Putz- und Farbschichten
Mit einem Spachtel oder einer Drahtbürste entfernen Sie alle losen Putz- oder Farbreste. Arbeiten Sie dabei vorsichtig, um den umliegenden Putz nicht zu beschädigen. Nach dem Entfernen der losen Teile wird die entstandene Vertiefung wie bei Rissen aufgefüllt und verspachtelt.
Behandlung kreidender Oberflächen
Kreidende Oberflächen müssen mit einem Tiefengrund behandelt werden. Der Tiefengrund dringt in den Putz ein, bindet die losen Partikel und schafft eine tragfähige Oberfläche für die nachfolgende Grundierung und den Farbanstrich. Achten Sie darauf, einen Tiefengrund zu wählen, der für die jeweilige Putzart geeignet ist.
Grundierung
Eine Grundierung ist oft unerlässlich, um eine gleichmäßige Farbaufnahme zu gewährleisten und die Haftung der Farbe zu verbessern. Die Art der Grundierung hängt vom Putz und der geplanten Farbe ab:
- Tiefengrund: Zur Verfestigung saugender und kreidender Untergründe.
- Haftgrund: Zur Verbesserung der Haftung auf glatten oder wenig saugenden Oberflächen.
- Isoliergrund: Zum Absperren von Flecken, die durchschlagen könnten (z.B. Nikotin, Ruß).
- Silikat-Grundierung: Speziell für mineralische Putze wie Silikat- oder Kalkputz, um eine chemische Verbindung zu ermöglichen.
Lassen Sie die Grundierung vollständig trocknen, bevor Sie mit dem Streichen beginnen.
Die richtige Vorgehensweise beim Streichen
Nachdem die Oberfläche optimal vorbereitet ist, können Sie mit dem eigentlichen Streichvorgang beginnen. Die Wahl der richtigen Materialien und Techniken ist entscheidend für ein professionelles Ergebnis.
Auswahl der richtigen Farbe
Die Wahl der Farbe sollte auf der Putzart und dem Verwendungszweck des Raumes basieren:
- Dispersionsfarben: Am gebräuchlichsten für Innenräume, gut abwaschbar und in vielen Variationen erhältlich. Geeignet für die meisten Putzarten nach entsprechender Grundierung.
- Silikatfarben: Mineralische Farben, die besonders diffusionsoffen und atmungsaktiv sind. Ideal für mineralische Untergründe wie Kalk- und Gipsputz und besonders empfehlenswert in Feuchträumen.
- Kalkfarben: Traditionelle, sehr atmungsaktive Farben. Verleihen einen edlen, matten Look. Eignen sich gut für Kalkputz.
- Latexfarben: Strapazierfähig und gut abwaschbar, aber weniger diffusionsoffen. Eher für stark beanspruchte Bereiche geeignet.
Achten Sie auf die Klassifizierung der Nassabriebbeständigkeit und Deckkraft, die auf der Farbverpackung angegeben ist.
Werkzeuge und Materialien
Stellen Sie sicher, dass Sie die passenden Werkzeuge zur Hand haben:
- Farbroller: Wählen Sie die Florhöhe des Rollers entsprechend der Oberflächenstruktur. Für glatte Oberflächen eignet sich ein kurzfloriger, für raue oder strukturierte Oberflächen ein langfloriger Roller.
- Pinsel: Für Ecken, Kanten und schwer zugängliche Stellen.
- Farbwanne: Zum gleichmäßigen Aufnehmen der Farbe durch den Roller.
- Abdeckmaterial: Malerkrepp, Folien und Zeitungspapier zum Schutz von Böden, Möbeln und angrenzenden Flächen.
- Spachtel und Schleifpapier: Für Reparaturarbeiten.
- Tiefengrund und Grundierung: Je nach Oberflächenbeschaffenheit.
Streichtechnik für verschiedene Oberflächen
Die Technik variiert je nach Putzstruktur:
- Glatte Oberflächen (Gipsputz, fein gespachtelte Wände): Tragen Sie die Farbe gleichmäßig mit dem Roller auf. Arbeiten Sie in überlappenden Bahnen, um Ansätze zu vermeiden. Vermeiden Sie zu viel Farbe auf dem Roller, um Nasenbildung zu verhindern.
- Leicht strukturierte Oberflächen (feiner Kalkputz): Verwenden Sie einen Roller mit etwas mehr Flor, um die Struktur auszufüllen. Tragen Sie die Farbe kreuzweise auf und ziehen Sie sie dann in einer Richtung ab.
- Stark strukturierte Oberflächen (Grobputz, Raufaser auf Putz): Hier sind langflorige Roller unerlässlich, um die Vertiefungen gleichmäßig zu füllen. Arbeiten Sie in überlappenden Bahnen und mit ausreichend Farbe. Bei sehr tiefen Strukturen kann eine zweite Schicht notwendig sein, um eine vollständige Deckung zu erzielen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Streichen
- Schutzmaßnahmen: Decken Sie den Boden und angrenzende Flächen sorgfältig ab. Entfernen Sie Steckdosenabdeckungen und kleben Sie Schalter und Türrahmen mit Malerkrepp ab.
- Grundierung: Tragen Sie, falls erforderlich, die passende Grundierung auf und lassen Sie diese gut trocknen.
- Erster Anstrich: Tauchen Sie den Roller leicht in die Farbe und nehmen Sie überschüssige Farbe an der Abstreifgitter der Farbwanne ab. Streichen Sie zunächst die Kanten und Ecken mit dem Pinsel vor. Beginnen Sie dann mit dem Roller in einem gleichmäßigen Muster. Arbeiten Sie von oben nach unten und überlappen Sie die Bahnen leicht. Streichen Sie nicht zu nass.
- Trocknungszeit beachten: Lassen Sie den ersten Anstrich vollständig trocknen, wie vom Farbhersteller angegeben. Die Trocknungszeit kann je nach Farbe und Umgebungsbedingungen variieren.
- Zweiter Anstrich: Tragen Sie den zweiten Anstrich wie den ersten auf. Achten Sie darauf, dass die Farbe gleichmäßig verteilt wird und keine Stellen ausgelassen werden. Oft sind zwei Anstriche notwendig, um eine vollständige und deckende Oberfläche zu erzielen, besonders bei Farbwechseln.
- Abklebebänder entfernen: Entfernen Sie das Malerkrepp vorsichtig, solange die Farbe noch leicht feucht ist, um ein Abreißen der Farbe zu vermeiden.
- Nacharbeiten: Überprüfen Sie die gestrichene Fläche auf ungleichmäßige Stellen oder Tropfnasen und bessern Sie diese gegebenenfalls vorsichtig aus.
Spezialfälle und Besonderheiten
Manche Oberflächen erfordern besondere Aufmerksamkeit oder spezifische Behandlungsmethoden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Streichen von diffusionsoffenen Putzen (Kalk-, Lehm-, Silikatputz)
Diese Putzarten zeichnen sich durch ihre hohe Diffusionsoffenheit aus, was bedeutet, dass sie Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben können. Dies ist gut für das Raumklima. Beim Streichen dieser Putze sollten Sie Farben verwenden, die ebenfalls diffusionsoffen sind, wie Silikat- oder Kalkfarben. Kunstharz- und Latexfarben können die Atmungsaktivität des Putzes einschränken und sollten daher vermieden werden, es sei denn, der Hersteller des Putzes empfiehlt dies explizit für bestimmte Beschichtungen. Eine Vorbehandlung mit einer passenden mineralischen Grundierung ist oft ratsam, um die Haftung zu optimieren und ein gleichmäßiges Saugverhalten zu erzielen.
Umgang mit Feuchträumen (Badezimmer, Küche)
In Feuchträumen ist die Wahl der richtigen Farbe und Vorbereitung besonders wichtig, um Schimmelbildung und Feuchtigkeitsschäden vorzubeugen. Verwenden Sie hierfür spezielle Latexfarben oder dispersionsbasierte Farben mit fungizider Wirkung, die abwaschbar sind und Feuchtigkeit besser widerstehen. Eine gründliche Reinigung und Desinfektion von Schimmelbefall ist unerlässlich, bevor gestrichen wird. Die Grundierung sollte ebenfalls für Feuchträume geeignet sein und eine gute Haftung auf dem Untergrund gewährleisten. Achten Sie auf eine gute Belüftung nach dem Streichen.
Streichen von renovierungsbedürftigen Altbauputzen
Altbauputze können sehr unterschiedlich beschaffen sein und oft tiefere Risse, Unebenheiten oder stark kreidende Oberflächen aufweisen. Eine gründliche Bestandsaufnahme ist hier unerlässlich. Oft ist es notwendig, lose Putzstellen großflächig zu entfernen und neu zu verputzen, bevor gestrichen werden kann. Tiefe Risse müssen mit Armierungsgewebe versehen und verspachtelt werden. Aufgrund der oft hohen Saugfähigkeit ist eine großzügige Anwendung von Tiefengrund oder speziellen Saniergrundierungen notwendig, um die Oberfläche zu stabilisieren und eine gleichmäßige Farbaufnahme zu gewährleisten. Die Wahl der Farbe sollte sich an der Beschaffenheit des reparierten und angrenzenden Putzes orientieren.
| Oberflächenbeschaffenheit | Typische Mängel | Vorbereitungsmaßnahmen | Geeignete Farben | Werkzeugempfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Glatte, feste Oberfläche (z.B. Gipsputz, neu) | Gering bis keine sichtbaren Mängel | Reinigung, ggf. Haftgrundierung | Dispersionsfarben, Silikatfarben | Kurzfloriger Roller, Pinsel |
| Leicht saugende Oberfläche (z.B. Kalkputz, matt) | Leichte Kreidungserscheinungen möglich | Reinigung, Tiefengrundierung, ggf. Haftgrundierung | Dispersionsfarben, Silikatfarben, Kalkfarben | Mittelfloriger Roller, Pinsel |
| Stark saugende oder kreidende Oberfläche (z.B. alter Kalkputz) | Deutliche Kreidungserscheinungen, Staubentwicklung | Gründliche Reinigung, mehrfache Tiefengrundierung, ggf. Isoliergrundierung | Dispersionsfarben (mit guter Haftung), Silikatfarben (nach mineralischer Grundierung) | Langfloriger Roller, Pinsel |
| Rauhe, strukturierte Oberfläche (z.B. Grobputz) | Tiefe Vertiefungen, ungleichmäßige Struktur | Reinigung, ggf. Grundierung zur Egalisierung der Saugfähigkeit | Dispersionsfarben, Silikatfarben | Langfloriger Roller, Strukturroller (optional) |
| Beschädigte Oberfläche (Risse, Abplatzungen) | Risse, lose Putzstellen, Abplatzungen | Reparatur mit Spachtelmasse/Putz, Schleifen, Grundierung der reparierten Stelle | Je nach Putzart und Reparaturmasse | Spachtel, Schleifpapier, Roller, Pinsel |
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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Putz streichen: Oberfläche beurteilen und die richtige Vorgehensweise wählen
Wie erkenne ich, ob mein Putz kreidet?
Sie können dies testen, indem Sie mit Ihrer Handfläche über die Oberfläche fahren. Wenn feiner Staub an Ihrer Hand haften bleibt und Ihre Hand grau wird, kreidet der Putz. Dies deutet darauf hin, dass die Bindemittel der Putzoberfläche erschöpft sind.
Welche Grundierung benötige ich für meinen Putz?
Die Wahl der richtigen Grundierung hängt von der Putzart und ihrem Zustand ab. Für stark saugende oder kreidende Oberflächen ist ein Tiefengrund empfehlenswert. Auf glatten, wenig saugenden Untergründen kann ein Haftgrund die Haftung verbessern. Für mineralische Putze wie Kalk- oder Silikatputz sind spezielle mineralische Grundierungen oft die beste Wahl, da sie eine chemische Verbindung eingehen.
Kann ich über alten Tapetenresten auf Putz streichen?
Nein, das ist in der Regel nicht empfehlenswert. Alte Tapetenreste haften schlecht auf dem Putz, können sich ablösen und die Haftung der neuen Farbe beeinträchtigen. Entfernen Sie Tapetenreste immer vollständig, bevor Sie den Putz streichen, um ein langlebiges Ergebnis zu erzielen.
Welchen Roller brauche ich für eine strukturierte Wand?
Für strukturierte Wände, insbesondere bei Grobputz oder Raufaser auf Putz, benötigen Sie einen langflorigen Farbroller. Der längere Flor dringt in die Vertiefungen ein und sorgt für eine gleichmäßige Abdeckung der gesamten Oberfläche, ohne dass Struktur verloren geht oder ungleichmäßige Stellen entstehen.
Wie viele Farbschichten sind normalerweise notwendig?
In der Regel sind zwei Farbschichten für ein deckendes und gleichmäßiges Ergebnis notwendig. Dies gilt insbesondere bei einem Wechsel der Farbe oder wenn der Untergrund stark saugt. Der erste Anstrich dient oft der Grundierung des Untergrunds und der Egalisierung der Saugfähigkeit, während der zweite Anstrich für die finale Deckkraft und Farbintensität sorgt.
Was ist, wenn ich Schimmel an der Wand habe, bevor ich streiche?
Schimmel muss vor dem Streichen gründlich entfernt werden. Verwenden Sie hierfür geeignete Schimmelentferner und beachten Sie die Sicherheitshinweise. Nach der Entfernung und Trocknung des Schimmels sollte die Ursache für die Feuchtigkeit gefunden und behoben werden, um ein erneutes Auftreten zu verhindern. Anschließend kann die betroffene Stelle mit einem speziellen Isoliergrund behandelt werden, bevor die eigentliche Grundierung und der Farbanstrich erfolgen.